Elsa Cavelti - Eine leidenschaftliche Sängerkarriere
Ein Artikel aus der Basler Zeitung:
© Basler Zeitung; 25.9.2007; Seite 3
Kantig, unbequem und erfolgreich
Ausstellung zum 100. Geburtstag der Sängerin und Gesanglehrerin Elsa Cavelti
MARKUS ERNIFast ein halbes Jahrhundert lang war die Sängerin Elsa Cavelti mit Basel verbunden. Jetzt würdigen eine Ausstellung und ein dazugehöriges Buch ihr internationales Wirken.
Man muss Elsa Cavelti in ihrem knapp zu den Knien reichenden Sommerkleidchen im Bild mit Frank Martin, Paul und Maja Sacher sowie Arthur Honegger 1946 auf dem Schönenberg in Pratteln gesehen haben, auf dem Bühnenfoto in der Hosenrolle des «Rosenkavaliers» mit keck auf eine Stufe hochgestelltem rechten Bein, um ihre selbstbewusst-unbequeme Art zu erahnen. Man muss sie als Fricka in Wagners «Walküre» oder als Solistin in Frank Martins «Cornet» hören, um ihr gestalterisch konzises wie technisch damals durchaus massstäbliches Können abzuschätzen.
AUFWERTUNG. Dazu bietet die am Freitag eröffnete Ausstellung in der Basler Universitätsbibliothek Gelegenheit. Denn um die 2001 verstorbene Sängerin ist es still geworden. Jetzt, aus Anlass ihres 100. Geburtstags und nachdem einer ihrer letzten Schüler, der Gitarrist und Dirigent Bernhard Dittmann, ihren Nachlass der Universitätsbibliothek übergeben hat, breiten Verena Naegele und Sibylle Ehrismann Materialien daraus zu einem Wirkungsbild aus: von Fotos über Aufzeichnungen, Programmhefte, Rezensionen und Tondokumente bis hin zu persönlichen Utensilien wie Kostüme oder Überseekoffer.
Da wird eine Stimme fassbar, die drei Oktaven, alles von der Alt- bis in die Sopranlage, umfasste. Ein Repertoire, das von Monteverdi und Purcell bis hin zu Martin, Honegger oder Rudolf Kelterborn reichte. Eine Karriere, bei der keines der grossen Opernhäuser zwischen New York und Wien fehlte. Eine Lehrtätigkeit schloss sich an und brachte an der Musikhochschule Frankfurt am Main und dann privat in Basel eine fast unübersehbare Zahl von zum Teil sehr prominenten Sängerinnen und Sängern hervor.
AUFGABE. In der Ausstellung wird auch jener unselige Basler Skandal um ihre Nazifreundlichkeit von 1945 wieder aufgerollt und abermals zugunsten der Cavelti geklärt. Solches rehabilitiert diese Persönlichkeit, rückt sie ins rechte Licht. Was sich mit einem solchen Nachlass weiter machen liesse, wäre, ihn tatsächlich auch auszuwerten. Eine spannende Zeitgenossenschaft tut sich beim Schmökern in ihrem «Konzert-Tagebuch» auf › Rezeptionsgeschichte der überaus persönlichen, aber auch sehr kompetenten Art.
Als amüsant erweisen sich ihre Aufzeichnungen aus dem Unterricht › etwas indiskrete Patientenakten sozusagen. Hieraus eine Gesangspädagogik zu konstruieren, könnte angesichts ihres bemerkenswert erfolgssicheren Wirkens als Lehrerin ein lohnendes Unternehmen sein.
Fürs Erste haben wir eine von den Kuratorinnen besorgte Broschüre: Sie vermittelt wohl eine Ahnung von der Modernität dieser Sängerin, kommt freilich über die feuilletonistische Würdigung kaum hinaus.
> Universitätsbibliothek, Basel, bis 24. 11. Mo bis Sa, 8.30›21.30 Uhr. www.ub.unibas.ch
> Buch: «Elsa Cavelti: eine leidenschaftliche Sängerkarriere». Mit Beiträgen von Verena Naegele, Sibylle Ehrismann und Eva Rieger. 128 Seiten. Wolke Verlag, Hofheim 2007. Fr. 25.› an der Lesesaaltheke der UB, im Buchhandel Fr. 34.›
Curriculum vitae
Stand: 26.11.2007
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